Meine Reisen durch die Fussballwelt
Meine Reisen durch die Fussballwelt
16.12.2018 – 10. Bezirk/Wien
Generali Arena
16.582 Zuschauer
Bundesliga


FK Austria Wien – SK Rapid Wien 6:1

 

Bereits Anfang Februar dieses Jahres besuchte ich das neue Stadion vom SK Rapid Wien im Derby, dass damals 1:1 endete. Nach ein paar Monaten war es nun an der Zeit der Wiener Austria einen Besuch abzustatten – im letzten Meisterschaftsspiel des Jahres!

Bekanntermaßen hat sich durch die Ligareform einiges geändert in dieser Saison 2018/2019. Das Minimalziel Platz 6 zu erreichen war bei den sogenannten Spitzenclubs in Österreich anfangs kein Thema, doch der Verlauf der Hinrunde sollte diese hochnäsige und arrogante Haltung ändern:

Abgesehen vom Ligakrösus aus Salzburg und der stark gehandelte LASK Linz hinken der SK Sturm Graz sowie die beiden Wiener Klubs ihren Erwartungen gewaltig hinterher. Dank der Verlosung sollte das 328. Wiener Derby eine Art „Entscheidungsspiel“ werden, die man in der Tabelle schnell ablesen konnte.

Mit vier Punkten Differenz hatten die Veilchen einen geringen Vorsprung angesichts vor dem direkten Duell.

Im Falle einer Niederlage würde der Grunddurchgang nochmals unfassbar spannend werden für den neutralen Fußballfan, bei einem Sieg wäre allerdings der Grundstein für das obere Play-Off gelegt. Diese kommenden 90 Minuten sollten somit den Weg weisen, je nachdem was die Fußballspieler am grünen Rasen leisten…

Kurz nach 14 Uhr ging es für mich ohne viel Stress (aber dafür mit viel Kleidung) in Richtung Wien, wo die Austria direkt beim Verteilerkreis ihr neu renoviertes Stadion stehen hat. Dank familiärer Kontakte parkte ich mein Auto nach dreißig Minuten Fahrzeit nur einen Kilometer vom Stadion entfernt – die restlichen 15 Minuten Fußweg vergingen wie im Fluge, bevor in aller Ruhe die ersten Bilder geschossen wurden!

Nach meiner Außenumrundung hatte auch der Fanshop wie üblich eine gewisse Anziehungskraft, der einiges für jung & alt zu bieten hatte. Direkt im Anschluss folgte das erste Highlight des Tages:

Mit Simon und dessen Begleiter Thomas kam ich mit zwei sehr sympathischen Schweizern ins Gespräch, dass schließlich über eine Stunde dauern sollte. Mit einer geplanten Groundhopping-Tour in Österreich konnte das Wiener Derby als guter Schlusspunkt festgesetzt werden für meine beiden Kollegen, schöne Grüße nochmal an dieser Stelle!

Über den Verein FK Austria Wien gab es bei den Vorbereitungen einiges zu recherchieren. 1911 als „Wiener Amateur Verein“ ins Leben gerufen, benannten sie sich 1926 endgültig um und etablierten sich in Folge als erfolgreicher Bundesligist. 24 Meistertitel und weitere 27 Pokalsiege stehen auf ihrer Visitenkarte. Weiters sind sie laut aktuellen Stand noch die österreichische Mannschaft, die als letztes in der Champions League spielte und die rot-weiß-rote Fahne hochhielt.

Das ehemalige Franz Horr Stadion wurde erst kürzlich (2010) in die Generali Arena umbenannt und setzten von 2016 bis 2018 eine große Renovierung durch. 42 Millionen Euro kosteten die Erneuerungen bei einer Kapazität bis 17.500 Zuschauern, weiteres sechs Millionen kamen für die eigene Akademie und den Trainingsanlagen zugute. Definitiv eine Investition in die Zukunft…

Mit knapp über 16.500 Zuschauern kam eine solide Anzahl zum ersten Derby im neuen Stadion, allerdings ist es trotzdem eine Schande das man gerade bei der sportlichen Situation nicht mal ausverkaufen konnte. Umso positiver gestaltete sich die Fanszene der Wiener Austria, die mit viel Leidenschaft und einer großartigen Choreographie die erhofften Erwartungen umsetzten!

Wie ich erst nach der Partie erfuhr, kam es vor dem Spiel zu den fast schon üblichen Ungereimtheiten der Gästefans. Diesmal musste nach deren Aktion die Autobahn (!) kurzzeitig gesperrt werden was zur Folge hatte, dass der Gästesektor nicht mal annähernd gefüllt war – nach dem knapp vorbeigeschrammten Spielabbruch beim besuchten Derby im Februar also der zweite Vorfall der angeblich besten Fans in Österreich…

Zum Spiel: Nach einem vorsichtigen Beginn kam relativ schnell die entscheidende Phase der Partie. Beim Stand von 1:1 setzte es eine berechtigte rote Karte für einen Spieler der Gäste, der als letzter Mann dementsprechend handelte vor dem 16er. Aus dieser Situation gelang das 2.1, dass bei den Heimischen mit einen Mann mehr am Platz einen Rausch auslöste!
In den weiteren sechs Minuten erhöhten sie auf 4:1 und machten im (ruhigen) zweiten Durchgang das halbe Dutzend perfekt.

Die Stimmung profitierte angesichts der engen Ausgangslage natürlich am meisten und zeigt einmal mehr was für Emotionen in einem Derby im Spiel sind – sowohl am Spielfeld als auch abseits davon auf den Tribünen.

Laut dem Stadionsprecher und meiner anschließenden Recherche ist dieses hochverdiente 6:1 der höchste Derbysieg seit der Saison 1969/70 – damals setzte es ein 0:6 aus der Sicht der Hütteldorfer, die über der Weihnachtszeit keine ruhige Minute haben werden. Alles andere als eine Krisensitzung wäre ein Wunder – trotz guten Erfolgen auf internationaler Bühne (Europa League)!

Generell ist man in Österreichs Hauptstadt mit den neuen Fußballstadien von Rapid Wien und der Wiener Austria nahezu perfekt aufgestellt – was den sportlichen Werdegang betrifft (18 gemeinsame Meistertitel seit 1974/75, in 44 Jahren) geht es scheinbar immer mehr bergab.

Die von jeder Seite gelobte Tradition ist nur mehr ein Schatten der Vergangenheit, denn in der Neuzeit wird mehr Wert auf andere Belanglosigkeiten gelegt anstatt auf den sportlichen Erfolg. Trotz allem ein Tag, der als Jahresabschluss 2018 definitiv in Erinnerung bleiben wird…

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