Meine Reisen durch die Fussballwelt
Meine Reisen durch die Fussballwelt
04.02.2018 - 14. Bezirk/Wien
Allianz Stadion
25.600 Zuschauer
Bundesliga


SK Rapid Wien - FK Austria Wien 1:1

Mein erstes Wiener Derby erlebte ich noch im alten Stadion vom SK Rapid Wien, bevor der Verein entschied es endgültig abzureißen und mit der heutigen modernen Zeit Schritt zu halten. Nach der Fertigstellung des neuen Allianz Stadions im Sommer 2016 war es für mich als Groundhopper somit eine Pflicht, auch diesen Punkt erfolgreich anzugehen!

Mit meinem ehemaligen Arbeitskollegen und leidenschaftlichen Fußballfan Matthias ging es um 14:30 vom ausgemachten Treffpunkt aus gemeinsam weiter nach Wien, die Fahrzeit sollte laut Navi kurze 35 Minuten betragen. Der Verkehr gestalete sich als dementsprechend ruhig und angenehm, auch bei der Parkplatzsuche entschieden wir uns fatalerweise für ein Parkhaus, dass in der unmittelbaren Nähe vom Allianz Stadion lag- später dazu mehr.

Die gerade mal zehn Minuten Fußweg und ein kurzer Rundgang rund um das Vereinsgelände taten uns zeitlich nicht wirklich weh, weil dank meinem Mitfahrer die Tickets im Vorraus geschickt wurden - eine wichtige Entscheidung, denn mit 25.600 Zuschauern konnte man nur noch wenige freie Plätze erkennen!

Über die Vereinsgeschichte gibt es natürlich einiges zu erzählen. Neben 14x nationalen Pokalsiegen kann sich der Klub mit 32 Titeln österreichischer Rekordmeister nennen - eine durchaus respektable Zahl.

Sieht man allerdings etwas genauer hin fällt dem neutralen Beobachter auf, dass allein in den 28 letzten Jahren nur drei Meistertitel (!) gefeiert werden konnten (1996, 2005 und 2008). Für einen Rekordmeister ist dies nüchtern betrachtet eine sehr niederschmetternde Bilanz, dennoch gibt es auch andere interessante Aspekte:

Vom Zuschauerschnitt ist der SK Rapid Wien wohl das beste Aushängeschild des gesamten Landes, dass durch Skandale und Ausschreitungen auch seine Schattenseiten hat. In der Tabelle kämpft man nach der Seuchensaison hingegen wieder um das internationale Geschäft - weil erstmals die ersten beiden Endplatzierungen für die Champions League Qualifikation in Frage kommen, sollte das ein besonders ehrgeiziges Ziel sein.

Während die Gäste aus dem Favoritener Bezirk nach dem schwachen Herbst um den Anschluss kämpfen, war die Richtung der Heimischen klar vorgegeben: mit einem Heimsieg würden sie nicht nur erstmals im Allianzstadion voll im Derby gegen Austria Wien anschreiben, sondern auch in der Meisterschaft einen Schritt gut machen um den Zweitplatzierten gehörig unter Druck zu setzen im Laufe des Frühjahres!

Am Weg zu unseren Sitzplätzen sollte ursprünglich noch etwas Proviant eingekauft werden, da es mehr als genügend Angebote für die Zuseher gab. Leider trat an der Stelle dasselbe negative Manko wie im kürzlich besuchten
Gent auf: Man musste sich erst eine Karte beschaffen und diese aufladen, mit der man dann erst etwas kaufen konnte!

Mein Mitfahrer und meine Wenigkeit suchten daraufhin hinter dem Tor nach unseren offiziellen Sitzplätzen, die auch relativ rasch gefunden wurden. Ein sehr nettes Gespräch gab es im Laufe des Nachmittages mit meinen anderen Sitznachbarn, die laut eigenen Angaben aus extra aus Ungarn anreisten und offiziell Anhänger von Ferencvaros sind - schöne Grüße an dieser Stelle.

Nach dem Abspielen der Rapid Hymne sowie einer netten Choreographie auf beiden Fanlagern pfiff der Schiedsrichter die Partie überpünktlich um 16:30 an...

Zum Spiel: Obwohl die Partie am Rande des Abbruchs stand, konnten beide Mannschaften nicht den Fußball zeigen der sie eigentlich ausmacht. Einzig bei der Phase der beiden Tore im zweiten Durchgang schafften sie es eine Euphorie zu erzeugen, blieb aber am Ende trotzdem wirkungslos.
Bei der anschließenden Pressekonferenz zeigten sich beide Trainer mit dem Punkt zwar durchaus zufrieden, bringen tut dieser Zähler aber keinem der beiden Vereine etwas - ein eher verhaltener Auftakt in einer maximal durchschnittlichen Partie, die nur von dem Umfeld (den 25.600 gekommenen Fans) lebte!

Welche Eindrücke bleiben schlussendlich aus neutraler Sicht? Der SK Rapid Wien zeigt im Gesamtbild viel Licht und Schatten. Einerseits haben sie mit dem Bau eines neuen, modernen Stadions alles richtig gemacht und legen beim Thema "Zuschauerschnitt" weiterhin die Marschrichtung vor. Weiters spielen sie regelmäßig international und machen für das eigene Land dauerhaft enorm wichtige Punkt gut.

Auf der anderen Seite haben die Verantwortlichen über den Klub scheinbar nicht allzuviel zu melden, anders kann man das Verhalten nicht deuten.
Nach mehreren hohen Geldstrafen in der jüngeren Vergangenheit lernt es die Chefetage wohl noch immer nicht, denn wenn die gegnerischen Spieler wiederholt beschossen werden und diese mit von Regenschirmen (!!) geschützt werden müssen, läuft anscheinend einiges nicht gerade rund im internen Bereich.

Besonders die Szene mit zwei sogenannten "Flitzern" kurz vor Spielende sorgt meiner Meinung nach für einiges an Kopfschütteln - sowas kann zwar schon mal bei einem Landesligisten vorkommen, aber in der höchsten Spielklasse sollten die Sicherheitsstandards schon mehr als nur vorbildhaft sein!

Wiegesagt, es gibt im Endeffekt einiges zu berichten, positiv als auch vom kritischen Blickwinkel - aber dennoch im neutralen Rahmen. Nach Spielende ging es für uns schnell zurück zum Parkhaus wo uns noch einiges an Stress erwarete:

Knapp über eine Stunde (!) bewegten wir uns mit dem Auto nicht vom Fleck, vorläufiger Höhepunkt war dann das Absterben meines Autos - infolge der Batterie, die nach so einem Zeitraum natürlich den Geist kurzzeitig aufgab.

Dank der hilfsbereiten Starthilfe der anderen, wartenden und zum Teil frustrierten Fans war auch dieses Problem bald behoben ehe es nach diesem nervenaufreibenden Vorfall endgültig wieder in die Heimat ging - nach meinem persönlich 888sten besuchten Fußballstadion!

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